Noch bis vor wenigen Monaten sah es so aus, als würden die Immobilienpreise in den großen Städten weiter steigen und das jeweilige Umland davon profitieren, wohingegen überregional und ländlich betrachtet eher von einem Sinken der Preise auszugehen war.

Durch die Corona-Krise hat sich diese Situation jedoch schon wieder geändert: Viele Menschen wurden aufgrund der jüngsten Lockdown-Phase seit Anfang November in das Homeoffice gedrängt und entdecken nun, dass es vielleicht nicht unbedingt erforderlich ist, noch dichter an den Arbeitsplatz zu ziehen. Vielmehr haben viele Menschen in den vergangenen Wochen und Monaten erkannt, dass ihr Wohnraum zu Hause vielleicht doch nicht so ideal ist. Unabhängig von der Büroecke, von der aus die Menschen nun zu Hause arbeiten und an Meetings teilnehmen, wird oft klar, dass man sich mit der bisherigen Größe der Wohnung arrangieren konnte, weil man eben nicht durchgehend zu Hause ist. Gerade Familien mit Kindern entdecken den Wunsch nach Freiraum neu und es ist völlig verständlich, dass größerer Wohnraum vor allem ländlich leichter bezahlbar ist.

Es findet also eine Trendwende statt, die ohne Corona so nicht abzusehen gewesen wäre. Die Menschen sehen die eigene Wohnung nicht mehr nur als Durchgangsort zwischen zwei Arbeitsschichten an, sie orientieren ihren Lebensmittelpunkt statt dessen neu und verschieben dadurch auch ihre Prioritäten. Aus dem persönlichen Umfeld, aber auch aus dem Radio und TV hört man derzeit immer öfter, dass die Menschen mit ihrer alten Wohnung nicht mehr zufrieden sind, seit sie so oft zu Hause sind. Ob es nun daran liegt, dass die Kinder mehr Platz brauchen oder daran, dass man als Erwachsener auch einmal einen Rückzugsort von der eigenen Familie braucht, oder dass endlich klar wird, dass die Küche wirklich viel zu klein ist, die Menschen orientieren sich neu.

Mehr Wohnraum ist aber oft auch mit höheren Mietpreisen verbunden. Durch die Nutzung von Homeoffice wird den Menschen dabei oft klar, dass es durchaus attraktiv sein kann, ins Umland zu ziehen und von dort zu arbeiten. Nicht nur wird der Blick aus dem Fenster freundlicher, der graue Beton weicht einem Wald oder Wiesengrundstück, auch die Preise für mehr Wohnraum sind oft leichter zu bezahlen. Und die Anfahrt zum Arbeitsplatz entfällt oder reduziert sich auf 2-3 Fahrten pro Woche.

Diese Bewegung von Innen nach Außen ist etwas völlig Neues auf dem Immobilienmarkt, das sonst nur Familien vorbehalten war, die sich aufgrund weiterer Kinder vergrößert haben oder aufgrund der verbesserten Einkünfte ab Ende 30 dazu entschließen, ein eigenes Haus zu beziehen. Sofern es keine freien Grundstücke mehr gibt, wirkt sich die Situation natürlich verstärkt auf den Mietmarkt aus.

Beobachten Sie also weiter fleißig den Immobilienmarkt in Ihrer Umgebung bzw. Ihrem Wunsch-Wohnort. In den kommenden Wochen und Monaten kann hier viel passieren und es wäre nicht verwunderlich, wenn Sie auf einmal Ihr Traumobjekt finden, das zuvor nicht am Markt verfügbar war.

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